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beſchützt, jedem offen, der da kommt. Spiegel ſind ſeine Wände, in denen ſich Schön und Häßlich, Jung und Alt bewundern kann nach Herzensluſt. Tauſend Wege führen zu ihm empor, Wege voll Gefahr, während Einer empor⸗ klimmt, brechen Hundert ſich den Hals, und ſo iſt ſo Man⸗ cher auf dem Olympe angelangt und weiß nicht wie.
Die Herrin dieſes Tempels iſt die alte plauderhafte Göttin. Fürſten, Weiſe, Krieger, Prieſter liegen auf den Knieen vor ihr, alle flehend:»Oh Göttin! die Du alles weißſt und ohne Unterbrechung ſprichſt, aus Mitleid ſprich ein we⸗ nig nur von uns.? Um ihre heißen Wünſche zu befriedigen, hat die Göttin immer zwei Poſaunen. Die an den Lippen verkündet ihre Heldenthaten, die andere unter ihrem Sitze macht uns bekannt mit all' dem Plunder neuer Bücher, den Schöpfungen käuflicher Federn, ſogenannten Dichtern, des wahren Genius elenden Verkleinerern, ſie alle, nachdem ſie kaum der Göttin Rücken voll Andacht und Erſtaunen ange⸗ ſehen— mit Peitſchenhieben aus dem Heiligthum ver⸗ trieben.“
Ein Billet mit ſchönen feinen Schriftzügen rief den Leibarzt des Königs zu ſeiner geheimnißvollen Kranken. Die verdeckte Sänfte— die ſeltſamen Diener brachten ihn, wie damals, in ihren Palaſt. Diesmal fand er ſie heiter, geſprächig, in eine Wolke von Seide und Spitzen gehüllt.
„Freund Quesnay,“ rief ſie ihm entgegen,„ein klei⸗ nes Zeichen von Beſſerung, ich intereſſire mich für Ca⸗ tilina!“


