Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Weil ich Voltaire haſſe, ſagte dieſer kühner,weil Sie ſich in das Unvermeidliche fügen und es zu Ihren Zwecken ausbeuten müſſen. Der König, ſo bereit er iſt, ſich Ihrem Willen zu fügen, ſo unerſchütterlich iſt er, wenn er einmal ſeinen Willen öffentlich kundgab. Er kennt keine Rückſicht, wo es gilt, ſeine Würde, den Glanz ſeines Thrones zu behaupten. Catilina wird aufgeführt, Sie haben nun die Aufgabe, der Welt zu zeigen, daß er nur aufgeführt wird, weil Sie es wollen.

Die Marquiſe entſchloß ſich raſch.Schreiben Sie dem Direktor des königlichen Theaters, ſagte ſie,daß der König meinen Bitten nachgegeben hat, und daß ich ihn dafür verantwortlich mache, wenn das Stück nicht mit un⸗ gewöhnlicher Sorgfalt in Scene geſetzt wird, ich weiſe unter Einem meine Kaſſe an, das Koſtüm zu beſtreiten, es ſoll Alles übertreffen, was bisher auf dem königlichen Theater geſehen worden.

Nach einer Pauſe ſprach Frau von Pompadour:Ber⸗ nis, es hat mich nicht überraſcht, daß der König dies that; er iſt mir ſeit einiger Zeit entfremdet, ich unterhalte ihn nicht mehr, ich ſehe den goldenen Stab der Herrſchaft meiner Hand entgleiten; aber ich ſinne vergebens, woher das kommt.

Nicht von Richelieu, er iſt ja der Jugendfreund Vol⸗ taire's von Kaunitz, erwiderte Bernis.

Von Kaunitz! rief Frau von Pompadour erregt, Kaunitz gegen mich?

Nicht gegen Sie, ſagte der Abbé,nur für Cre⸗

billon, ihn bewegt nichts, als das Intereſſe an unſerer

Bühne, unſerer Literatur. 12