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„Das iſt nicht die Frage, Sire,“ entgegnete Kaunitz, „aber wie Voltaire's Glanz feſthalten?“
„Ich glaube, Sie zu verſtehen,“ ſagte Quesnay.„Vol⸗ taire's Stern ſoll verlöſchen, ehe er uns verläßt, nur ſein Schatten ſoll, wie zum Orkus, nach Preußen gleiten.“
„Aber wie Voltaire vernichten?“ ſagte der König.
„Durch Crebillon's neues Trauerſpiel.“
Ludwig XV. ſah Kaunitz überraſcht an.
„Die Idee iſt unbezahlbar!“ rief der Leibarzt.
„Iſt das Stück gut?“ fragte Ludwig nach einer Pauſe.
„Es iſt das Meiſterſtück Crebillon's,“ entgegnete Ques⸗ nay,„er hat ſich ſelbſt übertroffen.“
„Ich hatte ihn vergeſſen,“ ſprach Ludwig.„Wo lebt er?“
„In Paris, Sire,“ rief Kaunitz,„von den Menſchen verlaſſen, in ſtolzer Einſamkeit, mit kranken Thieren, arm, hungernd und elend.“
„Sein Stück ſoll aufgeführt werden, ich will es, Kau⸗ nitz, ich will es, und ich ſage Ihnen, es wird aufgeführt wer⸗ den.“ Erregt ging er durch das Zimmer.
„Erinnern Sie ſich meiner Worte,“ flüſterte Quesnay, „iſt er nicht beſſerer Regungen fähig?“
Kaunitz antwortete mit einem Lächeln.
„Das Stück iſt gut,“ rief Ludwig,„aber wird es Bei⸗ fall finden? Beherrſcht nicht Voltaire despotiſch unſere Bühne?“
„Das Stück iſt gut,“ antwortete der Graf,„aber wäre es auch noch ſo ſchlecht, es fände Beifall.“
„Wie?“ fragte der König erfreut.
Sacher⸗Maſoch, Kaunitz. I. 12


