176
„Sagt man das?“ rief der König.„Quesnay, Sie ſind doch der Einzige, welcher mir die Wahrheit ſagt, man ſoll ſehen, daß ich vor keinem Stücke zittere. Aber— Voltaire — die Marquiſe— es geht doch nicht.“
„Es geht auch nicht mit meinem Syſteme, Sire, aber die gegenwärtigen Tumulte entheben mich jeder Beweis⸗ führung gegen meine Gegner.“
„Ihr Steuerſyſtem, Quesnay,“ entgegnete der König, „iſt das weiſeſte, das anwendbarſte, das es giebt.— Aber— da geht es eher noch mit dem Stücke von Crebillon. Was meinen Sie, Kaunitz?“ fragte er den eintretenden Geſandten.
„Verzeihen Sie, Sire,“ ſagte dieſer,„wenn ich hier meine Meinung zurückhalte.“
„Sie ſind alſo im Widerſpruch mit meiner Entſchei⸗ dung?“
„Ich verſtehe ſie nicht,“ entgegnete Kaunitz.
„Erklären Sie ſich,“ ſprach der König.
„Voltaire verläßt Frankreich,“ ſagte der Graf.
Der König verneinte.
„Es iſt eine Thatſache,“ fuhr Kaunitz fort,„ſo gewiß, als das Verbot des Catilina. Voltaire verläßt Frankreich.“
„Sie irren ſich,“ antwortete Ludwig,„Catilina wurde verboten, damit Voltaire bleibt.“
„Er bleibt nicht,“ ſagte Kaunitz,„der gefeierteſte Dichter Frankreichs geht in das Ausland, wie ein Meteor zieht ein Theil jenes Glanzes, welcher bisher Ihre Hauptſtadt, Ihren Thron umgab, nach Potsdam, den jungen Ruhm des Kö⸗
nigs von Preußen zu verklären.“
„Es iſt ärgerlich,“ ſprach Sii„aber wie Voltaire feſthalten?“


