169
Trauerſpiel fertig iſt. Wird aber das königliche Theater daſſelbe annehmen?“
„Ich gewinne die Pompadour,“ erwiederte Bernis.
„Ich den König,“ ſprach Quesnay.
„Ich die Schauſpieler,“ ſchloß Couſtou.
„Der Bund der Vergeltung gegen Voltaire iſt ge⸗ ſchloſſen,“ rief Kaunitz,„und die Mordwaffe— das Trauer⸗ ſpiel von Crebillon.“
Im einfachen Kleide, ſeinen Dienern kaum kenntlich, ritt Kaunitz in ſeinem Schloſſe ein.„Wie befindet ſich der Fremde?“ fragte er, indem er den Bügel verließ.
„Er iſt ſeit mehreren Tagen in ſeinem Zimmer ein⸗ geſperrt,“ antwortete der Diener, welcher dem Grafen die Treppe hinaufleuchtete.„Durch eine Oeffnung in der Thüre befahl er, ihm das Eſſen zu reichen. Aber er hat es wie unberührt gelaſſen, er ſchien auf das Höchſte aufgeregt, wir hörten ihn deutlich mit ſich ſprechen, auch hat er immerfort Lichter gebrannt, aber ſeit heute Morgen iſt es ganz ſtill in ſeinem Zimmer.“
Jetzt waren ſie an der Thüre. Kaunitz klopfte; keine Antwort. Er klopfte noch einmal, kein Ton, kein Athem⸗ zug. Er pochte ſtark, und immer ſtärker mit dem ſpaniſchen Rohr, er rief den Namen des greiſen Dichters, aber er be⸗ kam keine Antwort. Endlich befahl er, die Thüre auf⸗ zuſprengen.
„Wir haben es bisher nicht gewagt,“ bemerkte der Diener,„obwohl wir das Schlimmſte beſorgten“ Der


