„Er findet mich im Morgenanzug,“ ſagte Kaunitz, warf den Pudermantel ab und bat den Lord, in den kleinen Salon, in welchem ſie bereits Herrn von Machault einge⸗ treten fanden.
Der Staatsminiſter näherte ſich dem Grafen mit einer Zuvorkommenheit, die etwas Fieberhaftes hatte.„Ich bin ſo glücklich,“ begann er,„als der Ueberbringer eines Briefchens meiner Gemahlin Ihre Wohnung betreten zu können.“
„Kennen Sie den Inhalt?“ fragte Kaunitz.
„Ich glaube ihn zu kennen.“ Machault überreichte das Briefchen, das einen betäubenden Duft ausſtrömte.
Der Lord ſetzte ſein Naſenglas auf und betrachtete ſprachlos den Miniſter.
„Geſtatten Sie mir das Siegel zu brechen,“ ſprach Kau⸗ nitz, er hielt das Billet zwiſchen den Fingern. Als ſich beide Herren verbeugten, öffnete er daſſelbe und zog es mehrmals durch die Luft. Es war eine der vielen Sonderbarkeiten des öſterreichiſchen Grafen, ſtark parfümirte Gegenſtände einer Art Quarantaine zu unterziehen, ehe er dieſelben in die Nähe ſeiner Naſenflügel brachte. Nachdem er geleſen, verwahrte er das feine Blatt an ſeiner Bruſt und dankte dem Miniſter mit verbindlichem Lächeln. Dieſer neigte ſich, den Hut zwiſchen den Händen, und fragte eben ſo ſüß, ob er ein„Ja“ überbringen dürfe.
Kaunitz verbeugte ſich graziös—
„Ja,“ rief Herr von Machault,„o! ich fliege mit die⸗ ſem unſchätzbaren Ja zurück.“
Noch drei gegenſeitige Verbeugungen bis zu der Schwelle, tief und langſam mit weitausgeſpreizten Armen,


