Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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„Wollen Sie Jemand Spitzruthen laufen laſſen?“ ſagte der Lord erſtaunt und ſetzte ſein Naſenglas auf, um das ſeltſame Schauſpiel beſſer zu betrachten.

„Mich ſelbſt,“ entgegnete Kaunitz,„ſehen Sie nur zu.“

Francois führte eine neue Schaar von Dienern her⸗ bei, jeder derſelben trug eine kleine runde Schachtel, ſie nahmen gleichfalls in zwei Reihen hinter den mit Fächern Bewaffneten Stellung. Kaunitz trat in die Gaſſe, der Kam⸗ merdiener klatſchte in die Hände und im Augenblick war das ganze Zimmer wie von dem Pulverdampf einer Schlacht von weißen Wolken erfüllt, welche die Diener mit den rie⸗ ſigen Fächern von allen Seiten dem Grafen zuwehten. Der Lord ſtand ſprachlos, während Kaunitz zwiſchen den Reihen der Diener auf⸗ und abſchritt.

„Nun?“ ſagte er, als ſein Haar duftig wie vom friſch gefallenen Schnee glänzte.

„Herrlich!“ ſagte der Lord, während Francvis ihm mit der Bürſte an Leib rückte.„Was will man?“

„Excellenz ſind ſelbſt— bei dieſer Gelegenheit—“

„Wirklich!“ ſagte der Lord und ſah ſich von oben bis unten mit feinem Puder bedeckt.

„Wie der verliebte Kavalier in dem neuen Luſtſpiel,“ lächelte Kaunitz.

„Ja! wo die ſchöne Müllerin“— fügte Francois hin⸗ zu und bürſtete Albemarle.

„Herrlich,“ ſagte dieſer wieder,„und ſolche Erfindun⸗ gen machen Sie, Graf, und halten ſie der Welt vor, unverzeihlich.“

„Seine Excellenz der Herr Staatsminiſter von Ma⸗ chault,“ meldete der Secretair.