Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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„So,“ ſagte der Graf gleichgültig,„ſie gilt noch als meine Geliebte, Sie werden ſie aufſuchen und ihre Be⸗ fehle einholen, verſtehen Sie?— Ferner iſt ein neuer Vor⸗ leſer aufzunehmen, die Bedingungen kennen Sie. Ferner können Sie dem Schneider ſagen, daß mir die neue Mode ſeiner Mantelkragen gar nicht gefällt. Das iſt Alles“—

„Lord Albemarle!“ meldete Francvis.

Gemeſſenen Schrittes kam der Lord in die Garderobe, eine große maſſive Geſtalt, mit langer Naſe und uner⸗ ſchütterlichem Phlegma.

„Ercellenz überfallen mich bei meiner Toilette,“ ſagte Kaunitz, erhob ſich, um den Gruß des Britten zu erwidern, und ließ ſich wieder nieder. Der Diener gab ihm den Pudermantel um, löſte den Shawl, der andere begann die Haare des Grafen zu ordnen. Der Kammerdiener ſetzte für den Lord einen Lehnſtuhl, dem Grafen gerade gegenüber. Der engliſche Geſandte ſetzte ſich und begann kalt, indem er eine Depeſche aus der Taſche zog:

„Ihre Regierung iſt bereits das zweite Jahr den Ge⸗ neralſtaaten fünfmalhunderttauſend Patacons ſchuldig.“

„Das iſt mir neu,“entgegnete Kaunitz.„Den linken Flügel vor,“ kommandirte er den Friſirenden.

„Fünfhunderttauſend Patacons!“

„Ganz neu,“ ſagte Kaunitz„daß wir ein Anlehen in Holland zu zahlen haben.“

„Kein Anlehen, Exeellenz, fünfhunderttauſend Pata⸗ cons für die holländiſchen Beſatzungen in Ihren Feſtungen.“

„Ah! das nennen Sie Schulden?“

„Fünfhunderttauſend Patacons, allerdings.“

„Werden nicht mehr gezahlt,“ ſagte Kaunitz

Sacher⸗Maſoch, Kaunitz. I. 3