2 denke, die Mamſell Proli in Brüſſel, die La, la, la!“ Er trillerte leiſe eine italieniſche Arie.
„Sie iſt in Paris!“
„Ei! was Sie ſagen, Herr Secretarius, die Proli? die ſchwarze Italienerin? wird ſie hier ſingen, oder ſollte ſie dem Grafen— So, ſo!“
„Ich weiß nicht,“ bemerkte der Secretair.
„Alſo die Proli,“ ſagte der Kammerdiener,„ja wenn ich mich ſoerinnern wollte— Jetzt iſt er angekleidet,“ unter⸗ brach er ſich ſelbſt,„treten wir ein.“ Eröffnete die Thüre und folgte dem Secretarius Friedrich von Binder ge⸗ ſchäftig durch mehrere kleine, im anmuthigſten franzöſiſchen Geſchmacke eingerichtete Zimmer in das Schlafgemach des Grafen.
Dieſer ſchritt im dunkeln ſammtenen Schlafrocke, einen kleinen indiſchen Shawl turbanartig um den Kopf geſchlun⸗ gen, auf den Teppichen auf und ab. Den eintretenden Secretair begrüßte er mit leichtem, aber wohlwollendem Kopfnicken. Die hohe ſchlanke Geſtalt, das gebieteriſche Antlitz mit der ſanftgewölbten Stirne, der feingebogenen Naſe, den vollen Lippen machten noch jedes Mal auf Binder einen impoſanten Eindruck.
Einen Augenblick ließ Kaunitz die ſchönen ruhigen blauen Augen auf demſelben wie fragend ruhen, dann winkte er dem Kammerdiener.
Ein kleines Tiſchchen von eingelegter Arbeit ſtand in der Mitte des Zimmers unter der Hängelampe, welche die ganze Nacht brannte. Der Kammerdiener ſtellte zwei Büch⸗ ſen von getriebenem Silber auf daſſelbe, dann öffnete er ein Käſtchen von Mahagoniholz, aus dem er eine kleine Wage


