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Der Trauung in der Hofkirche bei den Auguſtinern folgte ein glänzendes Feſt. Auf dem Coſtümballe erſchien Maria Thereſia als Sultanin. Sie war neunzehn Jahre alt, in herrlicher weiblicher Schönheit aufgeblüht. Die kleinſten Füße ſahen aus den weiten Beinkleidern von indiſchem Zeuche hervor. Ein türkiſcher Shawl floß als Gürtel um ihre Hüften. Ein weiter Kaftan, mit Hermelinpels gefüttert und ausgeſchlagen, umfloß über einem Oberkleide von Gold⸗ ſtoff ihre majeſtätiſche Geſtalt und zeigte unverhüllt den Buſen einer mediceiſchen Venus. Das reiche Haar quoll ohne Puder in blonder Fülle unter dem hohen ſpitzen Tur⸗ ban hervor, deſſen wehende Reiherfeder eine große Agraffe blitzender Brillanten trug. Kaunitz ſah die Prinzeſſin das erſte Mal. Sie richtete freundliche Worte an ihn, er er— zählte von Paris und vom Haag. Fortan blieb ihm die wunderbare Erſcheinung, ihr Auge, der Ton ihrer Stimme in der Seele.
Der Kaiſer hatte keinen männlichen Erben. Maria Thereſia war beſtimmt, die Herrin ſeiner Länder zu werden, und die pragmatiſche Sanktion ſollte ihr den Beſitz derſel⸗ ben ſichern.
Kaunitz trat in den Staatsdienſt. Der Kaiſer er⸗ nannte ihn bald zum Reichshofrathe. Während er an der ſchwerfälligen Maſchine des heiligen Römiſchen Reichs be⸗ ſchäftigt war, welche täglich ſtille zu ſtehen drohte, befeſtig⸗ ten ſich die Anſichten, welche er auf ſeinen Reiſen, und in die Erblande zurückgekehrt, gewonnen hatte, zu einer feſten politiſchen Ueberzeugung. Damals ſchon war für ihn die Auflöſung Deutſchlands, der Verluſt der Kaiſerkrone eine


