Belgrad, die Töne des„Prinz Eugen, der edle Ritter“ klangen in ſein kleines Leben. Damals gab es noch keinen
öſterreichiſchen Staat. Die deutſchen Kaiſer waren zugleich
Könige von Ungarn und beſaßen Land und Volk in Welſch⸗ land. Die Habsburger rangen noch um jene Weltmonar⸗ chie, welche Karl V. in das Kloſter von St. Juſte getrieben hatte. Und doch war Alles, was den jungen Kaunitz um⸗ gab, gemacht, dieſes Oeſterreich, das ſich gebildet hatte, nicht auf dem Papier, aber in feſter Wirklichkeit, liebzugewinnen und treu zu halten in dem tiefſten Herzen, wie den ehren⸗ werthen Vater, wie die gute Mutter, die Amme, den freund⸗ lichen Erzieher.
Das Blut der alten Slavenherzoge war in der Fami⸗ lie mit königlichem Blut der Piaſten, mit deutſchem und magyariſchem gemiſcht worden. Die Mutterſprache des kleinen Kaunitz war jene der böhmiſch⸗mähriſchen Slaven. Bald lernte er Deutſch, aber die Sprache ſeines Lebens wurde die Weltſprache, das Franzöſiſche.
Mit guten Kenntniſſen verließ er Wien, um noch zwei Hochſchulen zu beziehen. Seine Wahl traf proteſtantiſche: Leipzig und Leyden. So erweiterte er ſeinen Geſichtskreis nicht weniger als ſein Wiſſen. Dann ſah er England, die Niederlande, Italien, Frankreich, nicht flüchtig, er lebte das fremde Leben mit. Wie er ſich von Allem frei zu ma⸗ chen ſuchte, was er nicht als ein allgemeines Merkmal des entwickelten Menſchen fand, ſo faßte er überall aus dem Nationalen für ſich das rein Humane heraus.
Nichts verſäumte er. Wie er jeden merkwürdigen Dom, jede berühmte Malerſtube beſuchte, nie in ſeiner Loge fehlte, wenn ein Luſtſpiel Molière's, eine Tragödie Shak⸗


