Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Schon der Urgroßvater erwarb ſich großen Ruhm als Staatsmann. Ihm dankte Oeſterreich die bairiſchen Hilfs⸗ truppen, welche Wien von den Türken entſetzen und Ofen ſtürmen halfen.

Der Großvater ſchloß den Frieden zu Ryßwick. Der Vater des Grafen kehrte von der Geſandtſchaft in Rom und Spanien zurück, um Mähren als Landeshauptmann zu re⸗ gieren. Er hatte zwanzig Kinder, fünf Söhne.

Den Sohn, welcher ſeinen Namen unſterblich machen ſollte, beſtimmte er zu dem geiſtlichen Stande. Als Dom⸗ herr lag er in der Wiege, aber die älteren ſtarben, oder fie⸗ len auf dem Schlachtfelde, ſo wurde der Jüngſte der Erbe des Majorats.

Ihn umgab jetzt die ganze ängſtliche Sorge einer Mut⸗ ter, welche nur einen Sohn hat. Kaum durfte er an die Luft. Jede Anſtrengung, jeder Zwang wurde ihm wie ein Uebel ferne gehalten.

Von Liebe, Güte, Sorgfalt umgeben, wurde auch der kleine Kaunitz gütig, freundlich, menſchlich. Er wußte nicht, was das iſt: Gewalt erleiden oder üben. Er ehrte die Frei⸗ heit fremden Willens, Denkens, Fühlens, wie er ſelbſt frei war in Allem, ehe er noch wußte, was man ſo nannte, ehe ihn die großen Ideen des Jahrhunderts berührt hatten.

Beſſer als Lehrer und Hofmeiſter hatte ihn die Mutter vorbereitet, ſie aufzunehmen. Als er das Aelternhaus ver⸗ ließ, um an der Univerſität zu Wien das Jus zu ſtudiren, lag ſeine Seele offen für den Samen der Zeit.

Die ernſten Bilder der Regierung Karl VI. hatten ſich in die Spiele des Knaben gemiſcht. Das Schlachtgetümmel von Peterwardein, die Sturmtrommeln von Temeswar und

Sacher⸗Maſoch, Kaunitz. I. 2