„Das iſt es eben,“ ſeufzte Machault bei der erſten Taſſe,„wer ergründet dieſen Kaunitz. Ich wollte lieber Mönch ſein, wie Henri von Machault und in dem Staub der Kloſterbibliothek nach alten Handſchriften ſuchen, als in ſeinem glatten Geſichte leſen. War ich bei ſo viel Geſandtſchaften, hab' ich unter einer ſo großen Zahl von Miniſterien gedient, leite ich die Angelegenheiten Frank⸗ reichs, bin ich der erſte Rath Ludwig XV., damit ein jun⸗ ger Botſchafter, der füglich noch irgendwo attachirt ſein könnte, mich am Narrenſeile hat? Kleine Gabriele, von Dir hoffe ich noch mehr als von allen unſeren Agenten und Di⸗ plomaten. Schönes Kind, wie ſteht es mit dem Lord?“
Die kleine Gabriele war nämlich eine große Diplo⸗ matin. Ihre lebhaften Augen nahmen manchen unvorſich⸗ tigen Staatsmann im feindlichen Lager gefangen, und ſeine Geheimniſſe flatterten als duftende Liebesbrieſchen in das Boudoir der ſchönen Gabriele.
Jetzt hatte ſie den langen Lord Albemarle, den engli⸗ ſchen Geſandten am franzöſiſchen Hofe, gefeſſelt.
„Für den Lord iſt Kaunitz ein Räthſel wie für uns,“ erklärte die Diplomatin.
„Und Du haſt ihn geſtern wirklich auf die Folter ge⸗ ſpannt?“
„In allem Ernſte,“ erwiederte Gabriele.„So lang er iſt, der Lord, lag er zu meinen Füßen, er war ſo gefühlvoll, ich glaube, er hätte eigenhändig ſeine Inſtructionen an den Straßenecken angeſchlagen, wenn ich es gewünſcht hätte. Kaunitz hat keine Vertrauten.“
„Das iſt es,“ beſtätigte Machault und verließ den Seſ⸗ ſel. Bekümmert ſchritt er durch den Saal, ſah die Bildniſſe


