11 welcher, aus den Schlachten des Erbfolgekrieges zurückgekehrt, ſich nach ſeiner Art der Erziehung des Mädchens annahm.
Die kleine Gabriele nannte ſie der Palaſt Machault, nannte ſie Richelieu, nannte ſie Paris, und doch war ſie aufgeblüht im wunderbaren jungfräulichen Reize. Die kleine Gabriele!— groß war ſie wirklich nicht. Aber— bin ich nicht groß? ſagte ſie täglich, wenn ſie im weißen Spitzenmantel zu dem Frühſtücke kam, legte die Hände auf Machault's Schultern, und ſtrengte ſich an, auf den Fuß⸗ ſpitzen ſtehend mit ihrem Köpſchen ſein Kinn zu erreichen.
So auch heute. Aber dießmal erwiederte der Miniſter die Zärtlichkeit der Kleinen mit einem kalten Kuſſe auf die ſchöne Stirne, führte die Finger ſeiner Frau mit ſteifer Förmlichkeit an die Lippen und faßte einen Stuhl.
Erſtaunt ſahen die Frauen ſein Benehmen, die Schat⸗ ten um die ſonſt ſo fröhlichen Augen.
„Sie haben nicht geſchlafen, mein Gemahl,“ ſprach Zephyrine lebhaft.„Haben Sie die Nacht außer dem Hauſe zugebracht?“
„Nein, Madame,“ erwiederte der Miniſter. Man nahm Platz um den Tiſch, das Frühſtück wurde aufgetragen.
„Das iſt es nicht,“ rief die Kleine.„Staatsgeſchäfte, Sorgen um Frankreich. Nicht? Oh! wir verſtehen das, wir Diplomaten.“
Mit einem trüben Lächeln ſtreichelte Machault dem lieblichen Mädchen die Härchen aus der Stirne, welche ſich unter dem bunten Morgenhäubchen losgemacht hatten.
„Ihr Diplomaten,“ rief Zephyrine,„ſchlafloſe Nächte, wenn der Gegner minirt, ſchlafloſe Nächte, wenn er ſich ſtill verhält.“


