Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Beleibtheit und Kaunitz. Der Umfang des Staatsminiſters ſprach ſeinem Talente, durch alle Verhältniſſe durchzuſchlü⸗ pfen, Hohn. Wenn er ſeußzte, ſo erſchrak ſeine Gemahlin nicht weniger, als wenn die Garden bei der Parade in Ver⸗ ſailles ihre Dechargen abgaben.

Als guter Cavalier und Katholik war er natürlich ver⸗ mählt. Seine Gemahlin aus dem Hauſe St. Severin galt in Paris als die dickſte Dame, man behauptete, die Carroſſen des Miniſters ſeien auf Beſtellung gearbeitet. Wenn das Ehe⸗ paar Machault in einem Wagen fuhr, ſo ſperrte es gewiß jede engere Straße. Im Uebrigen war Frau Zephyrine von Machault eine feine, angenehme Dame, um deren Züge nicht wenig von jenem geiſtigen Reize ſchwebte, der das häßlichſte Frauengeſicht in Frankreich noch adelt und nicht ſelten ge⸗ fährlich macht. Schien ſie auch auf den erſten Blick eine jener wohlbeleibten Myfrows, welche ringsum in allerlieb⸗ ſten Genrebildchen die Wände zierten, ſo ſprudelten doch ihre Worte, ihre Laune in echt franzöſiſcher Lebhaftigkeit. Sie hatte ihrem Gemahle keinen Erben ſeines Namens ge⸗ geben, er hing aber mit um ſo größerer Zärtlichkeit an ihr. Um ihre Stunden zu verkürzen, war eine entfernte Ver⸗ wandte, Gabriele von St. Severin, in ſeinem Hauſe aufge⸗ nommen worden. Den Vater des reizenden jungen Mäd⸗ chens hatte auf dem Rückzuge von Prag unter Belleisle der böhmiſche Schnee begraben.

Sein Teſtament übergab das Kind dem Herzoge von Richelieu. Dieſer ſelbſt, ein tapferer Soldat, ſandte die kleine Gabriele aus dem Feldlager den Verwandten in Paris. Frau von Machault zog ſie wie eine Mutter auf, aber Vater nannte die Kleine ſtets nur den Herzog von Richelieu,