Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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moſphäre am Hofe unverändert blieb, und Kaunitz fortfuhr, der Marquiſe von Pompadour Schönpfläſterchen zuzuſchnei⸗ den und dem Könige in ſeiner kleinen Druckerei die Correc⸗ tur zu beſorgen, verlor der franzöſiſche Miniſter alle Eßluſt. Kaunitz errichtete in ſeinem Palaſte ein chemiſches Labora⸗ torium und ein kleines Theater. Der Puls des Herrn von Machault begann zu fiebern.

Geſtern hatte Graf Kaunitz einen Courier warten laſ⸗ ſen, denn er war mit Abbé Bernis in einen Streit über die neuen, von den Staatsökonomen aufgeſtellten Grund⸗ ſätze der Beſteuerung verwickelt.

Herr von Machault hat in Folge deſſen eine ſchlafloſe Nacht gehabt. Am frühen Morgen, tiefe Stille herrſchte noch in der Straße unten, und im Palaſte dès Miniſters, nur hier und da durch das Schreien von Laſtträgern und die erſten leiſen Schritte der Dienerſchaft in den Corridors unterbrochen ging Machault, die Hände in den Taſchen des ſeidenen Schlafrocks verſenkt, den Kopf mit dem unzer⸗ ſtörten Toupet des vergangenen Tages auf die breite Bruſt herabgebeugt, in ſeinem Schlafzimmer auf und ab. Von Zeit zu Zeit zog er die Glocke. Jedes Mal trat der alte Kammerdiener herein und meldete, daß die Damen des Hauſes noch nicht angekleidet ſeien. Endlich ſchlug die Stunde des Frühſtücks. Düſter ſchritt der Miniſter durch die Reihe ſeiner Zimmer in den kleinen Saal, in welchem die Familie allein oder mit den Hausfreunden ſich ver⸗ ſammelte. Das Gemach war im Geſchmacke der Zeit über⸗ füllt mit Einrichtung, Zierath, bizarrem Spielzeug, Alles bunt, reich vergoldet, aber eckig und ſteif.

Zwiſchen ausgeſuchten Cabinetsſtücken franzöſiſcher und