Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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halten. Bald war er in die unſchuldigen Toilettegeheim⸗ niſſe der Pompadour und die Intriguen des Königs von Frankreich eingeweiht, denn überall zeigte er ſich theilneh⸗ mend, voll Verſtändniß, zart und verſchwiegen. Je weniger er die Welt beſchäftigen zu wollen ſchien, um ſo mehr gab er ihr zu rathen, zu deuten, auszulegen. Niemand erregte er jedoch im höheren Grade, als den Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs, den Miniſter von Machault.

An dem Tage, an welchem die Ernennung des Grafen Kaunitz zum Botſchafter in Paris der franzöſiſchen Regie⸗ rung mitgetheilt worden, war Machault's große Carroſſe bis ſpät in die Nacht durch die Straßen geraſſelt. Die Ankunft des Geſandten gab das Zeichen zu einer Geſchäftigkeit in der Staatskanzelei, wie ſie nur große Ereigniſſe, Bündniſſe und Verträge zu begleiten pflegte.

Der erſte Beſuch wurde kühl und beobachtend aufge⸗ nommen, kalt und vorſichtig erwiedert. Die lächelnde Zu⸗ vorkommenheit des öſterreichiſchen Diplomaten wurde als boshafte Maske in den Akten regiſtrirt. Als der Graf ſich den divlomatiſchen Kreiſen ferne hielt, galt dieß als kluges Manöver. Der franzöſiſche Staatsmann machte ſich ſchlag⸗ fertig, aber der erwartete Angriff blieb aus.

Eine nicht gekannte Unruhe erfaßte Herrn von Ma⸗ chault. Mit jedem Tage, welcher ohne eine Intrigue des Grafen verſtrich, verlor er mehr von ſeiner guten Laune. Bekannte fanden ihn ſchlecht ausſehend, Freunden fiel ſeine Zerſtreutheit auf. Als Kaunitz ſeine Beſuche in Verſailles in immer kürzeren Zwiſchenräumen wiederholte, bekam Machault wieder eine beſſere Farbe, und war im Stande, im Theater herzlich zu lachen. Als jedoch die politiſche At⸗