Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Graf Kaunitz war durch außerordentliche ſtaatsmän⸗ niſche Talente raſch zu dem hohen Range eines Staatsraths und bevollmächtigten Miniſters emporgeſtiegen. Seiner genialen Umſicht, ſeinem Geſchicke, fremde Schwächen, Fehler, Verſäumniſſe zu benützen, dankte ſeine Monarchin in glei⸗ chem Maße die unerwartet günſtige Redaktion des Vertrages von Aachen.

Freund und Feind war Kaunitz auf dem Congreſſe ge⸗ genüber geſtanden, nach allen Seiten hin hatte er die In⸗ tereſſen ſeines Vaterlandes verfochten, nicht nur ſpielte er die glänzendſte Rolle, der Schluß des ſeltenen Schauſpiels überraſchte die Welt und trug den Namen des Diplomaten, welcher am Congreßtiſche größere Siege erfochten, als Ma⸗ ria Thereſia's Generale im ganzen Erbfolgekriege, ſchnell durch Europa.

Sein Erſcheinen in Paris verſetzte alle Kreiſe in Auf⸗ regung, man erwartete einen neuen diplomatiſchen Feldzug, Cabalen, Intriguen, offenen Kampf und Ueberliſtung. Das Benehmen des öſterreichiſchen Grafen ſtrafte jedoch alle Er⸗ wartungen Lügen.

Anfangs gab man ihm Zeit, ſich glänzend einzurichten, als dieß jedoch zu lange Friſt in Anſpruch nahm, waren ſeine Minen ſo tief unterirdiſch, ſeine Gewebe ſo fein, daß ſie ſich dem geübteſten Auge entzogen. Als Kaunitz jedoch das harmloſeſte Daſein mit unnachahmlicher Grazie und Sorgloſigkeit fortſpann, erreichte das Intereſſe an ſeiner Perſönlichkeit, wie an ſeinem Treiben, den höchſten Grad. Sie waren auch ſeltſam genug.

Mit den Miniſtern, den Diplomaten verkehrte der Graf nur in gegenſeitigen Höflichkeitsbeſuchen. Er ſtand mit