Teil eines Werkes 
1. Buch (1873) Kaunitz und Voltaire / von Sacher-Masoch
Entstehung
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Oeſterreichs galten in derſelben gleichviel, als Männer von Geiſt. Die Hauptſtadt Frankreichs war das Rom einer un⸗ ſichtbaren Kirche. Von hier aus waren jene Helden ausge⸗ zogen, welche das achtzehnte Jahrhundert mit glänzenderen Siegen, als Eugen und Marlborough mit ruhmvolleren Er⸗ oberungen als Peter der Große und Friedrich II. bezeichnet haben. Das Kreuz der Verfolgung auf der Bruſt zogen ſie in das heilige Land des Geiſtes, kämpften Schlachten für die menſchliche Natur gegen die Unwiſſenheit, in der ſie ihren furchtbarſten Feind, die Quelle aller ihrer Leiden ſa⸗ hen. Das Zeitalter Buffon's, Montesquieu's, Voltaire's und Rouſſeau's nannte ſich ſtolz das Johr hundert der Auf⸗ klärung.

Die Fürſten, die Höfe, die vornehme Welt wetteiferten mit Buchhändlern und Schauſpielern jene Ideen zu verbrei⸗ ten, welche ein halbes Jahrhundert ſpäter ihre Throne er⸗ ſchüttern, ihre Vorrechte zertreten ſollten.

Europa hatte nur eine Literatur, wie eine Mode. Ka⸗ tharina las die Geſänge der Jungfrau mit demſelben Ent⸗ zücken, mit dem ſie in Sibirien den von ihr verbannten ruſſiſchen Großen erfüllten. Das Kleid des Königs von Preußen trug denſelben Schnitt wie jenes des Siegers von Kollin. Die Mutter Joſef II. kämmte ihre Haare wie die Geliebte des Königs von Frankreich.

So groß das Leben der franzöſiſchen Hauptſtadt durch die tauſend Fäden und Menſchen war, welche hier aus allen Enden der Welt zuſammenfloſſen, ſo bewegten ſich doch ge⸗ rade jene tonangebenden Kreiſe in den kleinſten Verhält⸗ niſſen.

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