190
blick eine ſchwere, polternde Stimme,„ihr wohlaffectiv⸗ nirter Freund Handl.“
„Na, Sie kommen gerade recht, Herr Baron“, rief Lina,„Sie ſind ſchuld an unſerem ganzen Un⸗ glück.—“
„Ich? mein Gott, ich bin ſelbſt in der Klemme“, erwiderte der Präſident,„da lies Sie—“, er reichte ihr einen Zettel, der auf ein Haar jenem Lina's und des Offiziers glich.
„Was? Sie auch!“ rief das Mädchen.
„Es geht mir an den Kragen, liebes Linchen“, flehte der Präſident der Keuſchheitscommiſſion,„wenn Sie mich nicht rettet, einer meiner Officianten hat mich der Kaiſerin denuncirt, meine eigenen Creaturen zeugen wider mich, man hat mich Abends zu Ihr ſchleichen ſehen, aber Sie wird ſagen, liebes Linchen, daß es ein Anderer war, nicht wahr?“
„Ein Anderer?“ fragte Lina erſtaunt.
„Wer immer, nur nicht ich“, jammerte der Prä⸗ ſident.
„Das geht doch nicht“, entgegnete Lina,„ich muß wohl der Kaiſerin die Wahrheit ſagen.“
„Nichts darf Sie ihr ſagen, liebes Linchen, es wird bei Gott nicht Ihr Schade ſein, aber Sie muß einen Andern nennen“, fuhr der Präſident fort.


