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„Ja, aber wen?“ entgegnete das Mädchen.
„Hat Sie denn keinen Liebhaber?“ ſagte der Keuſch⸗ heitspräſident, mit einem Blick auf den Offizier.
Die Deckermann lächelte ſpitzbübiſch.
„Wenn Sie einen Anbeter hat, der ſie liebt, und der es redlich mit ihr meint, woran ich nicht zweifle“, fuhr der Präſident fort,„ſo ſage Sie nur Alles friſch weg bei der Audienz und Sie macht noch Ihr Glück, denn es iſt eine Art Leidenſchaft der Kaiſerin, Leute zu verheiraten, welche ſonſt nicht zuſammen kämen.“
„Aber vor Allem brauche ich ein Moralitätszeug⸗ niß—“, ſprach Lina, an ihrer Schürze zupfend.
„Nun, wenn es nichts weiter iſt“, rief der Baron Handl lachend,„Sie ſoll ein Teſtamonium haben, wie noch keines von mir ausgeſtellt wurde, ſeitdem die Keuſchheitscommiſſion beſteht. Gib Sie mir Feder, Tinte und Papier—“
Lina eilte, das Verlangte zur Stelle zu ſchaffen, der Herr Präſident zog hierauf ſeine Handſchuhe aus und ſchrieb mit einem fauniſchen Lächeln:
Moralitäts⸗Zeugniß.
Es wird hiermit beſtätigt, daß die Jungfer Lina Deckermann, wohnhaft in der Rothenthurmſtraße beim goldenen Fiſch, ſich des beſten Leumunds erfreut, einen durchaus ſittlichen, ehrbaren und anſtändigen Lebens⸗


