21¹3
„Das kommt daher, mon ami, weil ich eine große Regentin bin“, ſprach Katharina II. ſtolz,„aber ich bin nicht allein eine große Frau, ſondern auch eine ſchöne Frau, was meinen Sie?“
„O! gewiß.“
„Eh bon, nicht allein die Vernunft, auch das Herz hat ſeine Rechte, vous comprenez“, fuhr die al⸗ ternde Despotin fort, indem ſie Eſterhazy mit dem ſü⸗ ßeſten Lächeln ihrer welken Lippen zu ſtacheln ſuchte, „wir haben für heute genug von Pvlitik geſprochen, die Kaiſerin von Rußland entläßt den öſterreichiſchen Botſchafter, aber Katharina behält den Grafen Eſter⸗ hazy bei ſich, denn ſie liebt die ſchönen und liebens⸗ würdigen Männer, und Eſterhazy beſitzt beide Eigen⸗ ſchaften in hohem Grade.“
„O! Majeſtät ſind zu gütig“, ſtammelte Eſterhazy, der erſchreckt zwei Schritte zurückgewichen war.
„Sie ſind zu beſcheiden, mon ami, kommen Sie nun näher, Sie gefallen mir gut, ja, ſehr gut, nur näher.“
Eſterhazy ergab ſich mit einer Armenſündermiene in ſein Schickſal und that wieder ein paar Schritte vorwärts.
„Noch näher“, flüſterte Katharina von Gnade ſtrahlend,„ganz nahe“, und als er ihr endlich nicht


