212
dann erhob er ſich, führte die Hand, die ihm die Cza⸗ rin reichte, reſpektvoll an die Lippen und entfernte ſich.
Wenige Augenblicke ſpäter trat Eſterhazy in das Boudvir der Despotin.
„Ah! gut, daß Sie kommen“, rief ihm Katha⸗ rina II. entgegen,„ich bin Ihnen ſehr geneigt, Graf, ſehr geneigt, hat Ihnen der Lord geſagt, um was es ſich handelt? Aber laſſen wir die Politik bei Seite—“
„Ich muß im Gegentheil dringend bitten, Maje⸗ ſtät—“
„Gut. Nehmen Sie alſo meine Bedingungen an?“
„Heſterreich wird gern bereit ſein, Eure Majeſtät bei einem neuen entſcheidenden Kriege gegen die Pforte zu unterſtützen“, erwiderte Eſterhazy,„wenn es darauf rechnen kann, wie bei der Theilung Polens—“
„Ich verſtehe“, fiel die Kaiſerin ein,„Heſterreich will eine Vergrößerung Rußlands nur dann zugeben und ſogar unterſtützen, wenn es ſich ſelbſt vergrößert. Dagegen wüßte ich nichts einzuwenden. Sie werden mich bereit finden, jene ſerbiſchen Provinzen, welche an Ungarn grenzen, abzutreten. Wir werden morgen von der Kante das Nähere ausmachen. In der Haupt⸗ ſache ſind wir jetzt einig, nicht wahr, lieber Eſterhazy 24
„Es iſt leicht, ſich mit Eurer Majeſtät zu ver⸗ ſtändigen“, gab Eſterhazy zur Antwort.
*


