200 Eine unheimliche Stille entſtand an der Tafel. „Das thut wohl, Ihr Knaben“, fuhr die Despo⸗
tin fort,„zu wiſſen, daß man ſo und ſo viel Milliv⸗
nen Menſchen beherrſcht wie eine Heerde Lämmer, Alle,
die mein Szepter erreichen kann, ſind meine Sklaven, ich kann ſie foltern, ich kann ſie tödten wenn es mir
beliebt. Gott hat mir dieſe Macht gegeben und kein
Menſch kann ſie mir nehmen—“ Wieder begann Soltykow zu lachen. „Was hat denn der Tölpel heute?“ fragte Ka⸗
tharina.
„Ich denke—“ brüllte er unter dem Tiſch—„ach! der Gedanke iſt zu komiſch—“
„Nun, was denkſt Du?“
„Wenn ſie Dich, Katharinchen, ſo an das Bret der Guillotine geſchnallt hätten, wie den dicken König Lud⸗ wig XVI. in Paris, wäre das nicht komiſch?“
Die Kaiſerin wurde bis in die Lippen bleich und ließ die Gabel fallen.„Was für ein abſcheulicher Ein⸗ fall“, murmelte ſie,„woran erinnert mich der Tölpel! Dieſe franzöſiſche Revolution wächſt von Tag zu Tag wie die Sündfluth und droht alle Throne zu verſchlin⸗ gen. Ob wir es erleben werden, daß auch hier in St. Petersburg— nein! nein! ich will nichts davon hören. Noch leben wir und genießen unſer Leben und
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