Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

Sie ſollten Ihren Gemahl beſſer kennen, lachte die Daſchkow,im Augenblicke des Zornes decretirt er die tollſten Dinge, eines Nero würdig, und einige Stunden ſpäter hat er ſeine eigenen Befehle ſo voll⸗ kommen vergeſſen, daß er oft das Gegentheil thut.

Hat er nicht den jungen Polen Poniatowski, als er ihn in der Maske eines Friſeurs in Oranien⸗ baum vor meinem Palaſte ertappte, hängen laſſen wollen? warf Katharina ein.

Aber er hat ihn doch nicht gehängt, rief die kleine Fürſtin.

Und einige Tage ſpäter hat Niemand ſo ſehr über das ganze Abenteuer gelacht, wie der Großfürſt Peter, fügte die Kammerfrau hinzu,und wie war es mit dem Koſaken Unufri, der ihn beſtahl? Am er⸗ ſten Tage wollte er ihn hängen, am zweiten knuten laſſen, am dritten wurde er zu ewigem Gefängniß ver⸗ urtheilt, und nach ein paar Wochen freigelaſſen und iſt jetzt dem Prinzen der Liebſte unter ſeinen Bedien⸗ ten. Euer Mann, Katharina, iſt ein Narr, ein reiner

Narr, wenn Ihr Euch die Mühe nehmen wolltet, ihn

zu behandeln, er würde Euch aus der Hand freſſen.

Die beiden Damen brachen über die draſtiſche Auseinanderſetzung der dicken Kammerfrau in ein lau⸗ tes Gelächter aus.

ee