Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

tig, die Kaiſerin Eliſabeth Petrowna liegt im Ster⸗ ben.

Die Großfürſtin ſprang auf, ging zweimal mit großen Schritten durch das Zimmer und blieb dann, den herrlichen Arm auf den Kamin geſtützt, ſchweigend ſtehen.

Die beiden Frauen betrachteten ſie lange Zeit, ohne ein Wort zu ſprechen, mit inniger Theilnahme, endlich erhob ſich die kleine Fürſtin und indem ſie die Hand Katharina's ergriff, ſprach ſie:So traurig in dem Augenblicke, wo Sie an dem Ziele Ihrer Wünſche ſtehen, wo Ihnen die Krone winkt?

Ich bin nicht traurig, Katinka, entgegnete die Großfürſtin mit jenem liebenswürdigen Ton, der ihr alle Herzen gewann,nur ernſt, ſo ernſt, wie es meine Lage erfordert. Weiß ich, was mich in den nächſten Stunden erwartet? Mein Gemahl liebt mich nicht.

Weil Ihr überlegener Geiſt ihn in Schatten ſtellt, rief die Fürſtin Daſchkow.

Er liebt mich nicht, wiederholte Katharina,und doch wird er mir nie verzeihen, daß ich einen Andern zu lieben mich hinreißen ließ. Er hat mehr als ein⸗ mal gedroht, mir das Haar ſcheeren und mich einſperren zu laſſen. Ich muß beſorgen, daß er, wenn er die Macht dazu in Händen hat, ſeinem Haß gegen mich die Zügel ſchießen läßt.