Teil eines Werkes 
2. Band (1873)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

209

nen doch nicht den einfältigen Burſchen, der mir, ohne mich zu kennen, einen Kuß geraubt hat? Wenn an dieſem Vorfall nach Ihrer Anſicht etwas Strafbares iſt, ſo bin ich allein die Schuldige, denn ich habe den jungen Menſchen in Verſuchung geführt.

Orloff wurde roth, das Lachen war ihm vergangen, er bebte vor Zorn.Wie, Eure Majeſtät haben, mehr brachte er nicht über die Zunge.

Was iſt mit dem Menſchen geſchehen? fragte die Kaiſerin, ohne Orloff einer Erklärung zu würdigen.

Er iſt im Kerker, entgegnete dieſer.

Gut, ich werde ſelbſt das Weitere über ihn ver⸗ fügen, entſchied die Gebieterin in ziemlich ungnädigem Tone.

Unterdeß lag der neue Paris in einem engen, finſteren Verließ, an Händen und Füßen ſchwere Ket⸗ ten, auf einem Bunde Stroh, überzeugt daß er ſich in der Gewalt böſer, rachgieriger Zauberinnen be⸗ finde.Sie werden mich erſt recht mißhandeln und quälen, dachte er bei ſich,und dann in irgend ein Thier verwandein, allenfalls in einen Hund, und ich muß mein Leben in einer Hundehütte beſchließen.

Nicht lange nach der Unterredung Orloff's mit der Czarin öffnete ſich indeß die Thüre ſeines Kerkers und eine Dame in einem ſchwarzſeidenen Mantel,

Sacher⸗Maſoch, Ruſſiſche Hofgeſchichten. II. 14