„aber wer ſagt Dir, daß ich deßhalb böſe oder ver⸗ derblich ſein muß? Im Gegentheil, ich bin Dir gut geſinnt.“— „Das ſagen alle böſen Geiſter“, entgegnete der Hirte.
„Aber ich bin kein böſer Geiſt“, verſetzte die Mo⸗ narchin,„ich will Dein Beſtes, und Gott ſei Dank habe ich auch die Macht, Dein Glück zu begründen.“
„Da Du den Namen Gottes ausgeſprochen haſt“, ſprach der Hirte,„kannſt Du in der That kein gefal⸗ lener Engel oder böſer Geiſt ſein. Ich danke Dir alſo, daß Du es ſo gut mit mir meinſt; aber wie willſt Du mein Glück gründen und was habe ich dabei zu thun?“
„Du haſt nichts zu thun, als mir zu gehorchen. Willſt Du das?“ fragte Katharina II.
„Soferne Du nichts Unrechtes oder Unchriſtliches von mir verlangſt“, antwortete der Hirte.
„Gut. Wie nennſt Du Dich alſo?“
„Wenn Du eine Zauberin biſt, ſollteſt Du es wiſſen.“
„Ich frage auch nicht etwa, weil ich es nicht weiß“, erwiderte Katharina II., welche ſich in ihrer überirdiſchen Rolle gefiel.
„Weßhalb alſo?“ „Um zu ſehen, ob Du in allem die Wahrheit ſprichſt.“ Sacher⸗Maſoch, Ruſſiſche Hofgeſchichten, II. 13


