Der junge Hirte rief hierauf ſeinen Schimmel,
welcher bereits behaglich zu graſen angefangen hatte;
es war offenbar ſein Liebling, und er wußte es, denn er beeilte ſich gar nicht, dem Rufe zu gehorchen, ſon⸗ dern ſchnaubte nur etwas und ſchlug mit dem Schweife. Der Hirte ging hierauf auf das Thier zu und band ihm die Vorderfüße mit einem Stricke zuſammen, ſo daß er ſich nur langſam hüpfend fortbewegen konnte,
und überhäufte es mit Scheltworten, welche eigentlich
eben ſo viel Liebkoſungen waren. Dann blöſte er die andeten Pferde eins nach dem andern von der Koppel, und entließ jedes erſt, nachdem er ihm gleichfalls die vor⸗ deren Füße gefeſſelt hatte. Während nun ſeine Heerde ringsum zufrieden ſchnaubend das Gras brach, ſchnitt der junge Menſch einen Hollunderaſt ab und begann ſich eine Pfeife daraus zu fertigen.
Die Kaiſerin, das verwöhnte, launenhafte Weib, das ſonſt bei den glänzendſten Vergnügungen bald zu gähnen pflegte, ſah allem Dem, was der hübſche, ein⸗ fältige Burſche mit großer Wichtigkeit und Bedächtig⸗ keit that, in einer Art Spannung zu, ſie hörte das ſchwermüthige Volkslied, deſſen Weiſe er auf ſeiner Pfeife blies, mit mehr Genuß, als die Bravourarien der italieniſchen Opernſänger, und als der junge Hirte Feld⸗ blumen zu pflücken und mit Haſt zu einem Strauße
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