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getheilt waren die Anſichten am Hofe.„Sie meditirt“, ſagten Einige;„ſie beſchäftigt ſich mit einem großen dichteriſchen Werke“, ſagten Andere;„ſie empfängt ge⸗ heime Depeſchen und diplomatiſche Agenten, welche mit ihr allein verkehren und ihr allein bekannt ſein ſollen“, ſchloſſen wieder Andere; und die Kaiſerin ſelbſt?
Katharina Il ſagt in einem Briefe an den genialen ruſſiſchen Dichter Derſchawin*), ſie gebe die einſamen ländlichen Stunden in Zarskoje Selo um nichts in der Welt, ſie ſei in denſelben weder Monarchin noch Phi⸗ loſophin, ſie könne dann, was ihr ſonſt nie vergönnt ſei— ausruhen und ſich an den einfachen Eindrücken der Natur erbauen.
Dieſe einſamen Stunden benutzte die Czarin jetzt zur Ausführung ihres olympiſchen Planes.
Wenn alle Welt ſie in einer der ſchattigen, tiefgrünen Lauben des Parkes in Betrachtungen oder mit einer großen politiſchen Compination beſchäftigt glaubte, eilte ſie im weißen Sommerkleide, eine ſchwarze Seiden⸗ mantille um die Schultern, durch die Laubgänge zu der kleinen Pforte der Außenmauer, welche in das freie Feld führte und zu der ſie allein den Schlüſſel beſaß.
*) Bodenſtedt hat Mehreres von deſſen Gedichten, unter an⸗ deren ſeine ſchöne„Ode an Gott“, in das Deutſche übertragen.


