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Millivnen Selaven, loderte gleich einer Flamme die Kokarde, die rothe Kokarde!
Die rothe Kokarde! Diderot träumte von ihr die ganze Nacht. Bald ſtand ſie als eine große rothe Sonne an dem weißen Petersburger Himmel, bald rollte ſie als ein rothes Rad vorbei, auf dem die Glücksgöttin ſtand. Endlich wurde ſie zu einer Zauberblume, welche unter den Fenſtern des Winterpalaſtes mitten im Schnee blühte. Diderot brach die rothe Blume mit entſchloſſe⸗ ner Hand und wo er jetzt ging, warfen ſich die Men⸗ ſchen vor ihm nieder, das Antlitz zur Erde, alle Thü⸗ ren ſprangen auf vor der Zauberblume und die ſchönſte Prinzeſſin wachte aus tauſendjährigem Schlafe auf und reichte dem armen Philoſophen Hand und Scepter und dieſe Prinzeſſin hatte die ſchönen gebietenden Au⸗ gen und die Züge der Czarin.
„Katharina!“ rief Diderot und wachte auf.
Es war heller Tag.
Er klingelte. Der Hofbediente, welcher ihm zur Verfügung geſtellt war, trat ein und brachte zwei Schreiben in jenem großen Formate, welches offizielle Actenſtücke andeutet.
Sacher⸗Maſoch Ruſſiſche Hofgeſchichten, II. 3


