25
„Göttin! Unnahbare!
Ich liebe Dich. Ich liebe Dich ſo wahnſinnig, daß ich alle meine Philoſophie um einen Kuß Deiner duftigen Lippen, meine Freiheit, mein Leben um eine glückliche Stunde in Deinen Armen geben würde. Ich ſpüre eine unbezwingbare Luſt in mir, dumme Streiche zu machen. Ich fürchte, daß ich eines Tages vergeſſen könnte, wie hoch, unerreichbar hoch Du über mir ſtehſt. Eile alſo, mir Deine ſüßen Feſſeln anzulegen oder be⸗ fiehl mir zu fliehen in die Eisfelder des Nordens, wo Alles erſtarrt und wo vielleicht auch dieſe Gluth ver⸗ löſchen wird, welche mich zu verzehren droht, verlöſchen mit dem letzten Athemzuge Deines Unterthanen
Diderot“.
Als die Fürſtin dieſes Billetdour geleſen, lächelte ſie zuerſt, dann ſtützte ſie den Kopf auf die Hand und ſann nach.
Die Kaiſerin langweilte ſich von Neuem. Diderot war als Unterhaltungsſtoff erſchöpft, Lagetſchnikoff wurde mit ſeinen Anſpielungen auf den „redenden Affen“ ſchließlich auch monoton. Orloff reizte die ſchöne Deſpotin längſt zum Gähnen.


