Druckschrift 
Salizische Geschichten : Novellen / von Sacher-Masoch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

254

Wir ruhten lange Zeit, Schulter an Schulter, und lauſchten dem Wind, dem Flattern der weißen Flocken, dem Nagen des Mäuschens in der Diele und dem Pochen des Holzwurmes im alten Getäfel.

Der volle Mond war längſt nicht mehr zu ſehen, nur die Sterne blinkten noch durch den weißen Schnee⸗ ſchleier, die erſte fahle Dämmerung des Morgens brei⸗ tete ſich aus, als ich zum zweiten Male gleich einem Todten zur Erde niederfiel. Das ſchöne Weib richtete mich langſam auf, machte mich zu ihrem Schemel und ihre müde röchelnde Stimme klang wie leiſer Harfenton durch das Gemach.

Du haſt mir Leben gegeben von Deinem Leben, Seele von Deiner Seele, und Blut von Deinem Blute, haſt ſüße Luſt in meiner Bruſt geweckt, nun ſättige meine Zärtlichkeit.

Du tödteſt mich, ſeufzte ich auf.

Sie ſchüttelte den Kopf.

Der Tod iſt kalt, gab ſie zur Antwort,das Leben ſo warm. Die Liebe tödtet, aber ſie erweckt zu neuem Leben. Sie flocht ihr Haar zuſammen und ſchlug mich neckend damit; ihr Fuß, den ſie zuerſt in meine Hand geſtellt hatte, ruhte jetzt auf meinem Nacken und als ich das Antlitz zur Erde liegen blieb, fuhr ſie mir mit demſelben ſanft über den Rücken, daß es