Druckschrift 
Salizische Geschichten : Novellen / von Sacher-Masoch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

249

eines weiblichen Vampyrs zu ſein, flog wie ein Schat⸗ ten über mich, aber es war zu ſpät, ich hatte mich in ihren Locken verwickelt, meine Hände wühlten in ihrem dämoniſchen Haare und ich verlor das Bewußt⸗ ſein.

Als ich zu mir kam ſah ich mit namenloſem Er⸗ ſtaunen, daß ich weder in den Armen eines Vamphrs, noch in den Armen einer Statue oder eines todten Dämons lag. Ein lebendiges ſchönes Weib mit gro⸗ ßen blühenden Formen, deren plaſtiſcher Marmor von warmem Blut durchglüht war, ſah neugierig auf mich herab mit feuchten dämonenhaften Augen. Das fein geſchnittene Oval ihres bleichen Geſichtes leuchtete von keuſcher Holdſeligkeit, ihr fabelhaftes Haar, zugleich feuriges Gold und weiche Seide, erglänzte um ſie wie eine Glorivle, wie die Flammenruthe eines Kometen. Eine Atmoſphäre voll Duft umgab ſie. Sie hatte keinen Schmuck an ſich, nicht einmal einen ſchlichten Reif, wie er die Arme der gemeißelten Göttinnen ziert, dafür glänzten ihre Zähne wie zwei Perlenreihen in dem Rubinenmund und ihre Augen warfen gleich koſt⸗ baren Smaragden ein grünes Licht.

Bin ich ſchön? fragte ſie endlich mit ihrer mat⸗ ten, röchelnden Stimme.

Ich konnte nicht ſprechen. Der verſchwommene