Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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gangenheit, wo ſie mit einander froͤhlich im gruͤnen Walde gewohnt, ihm mit Thraͤnen um den Hals fiel und von mir beim Herausgehen unterſtuͤtzt werden mußte, ſo hatte die traurige Zuſammenkunft ihn erſchuttert.

Drei Tage nachher ward das Urtheil an ihm voll⸗ ſtreckt und zwar auf dem Hochgerichte in der Markung des Dorfes Woͤringen. Als er von Ferne das Schaffot erblickte und die wirre Menſchenmaſſe, welche den Karren umwogte, ſoll er ploͤtzlich ausgerufen haben:Gertrud, Deine Weiſſagung iſt erfuͤllt Hierauf wendete er ſich an den Vollſtrecker der Gerechtigkeit und erinnerte ihn, daß ſie ſich vor langer Zeit an derſelben Stelle ſchon einmal getroffen, worauf dieſer, ein von Gemuͤth weicher und braver Mann, in Thraͤnen ausgebrochen und nimmer das ſchreckliche Urtheil vollzogen haben wuͤrde, wenn in der Eile ein Stellvertreter herbeizuſchaffen geweſen waͤre.

Gott erbarme ſich des Suͤnders, der nun vor ſeinem Throne ſteht, um Rechenſchaft abzulegen von ſeinem ver fehlten, ſchwer belaſteten Leben!

Und ſomit wäre denn, hochzuverehrender Hert Graf, Dero Anfrage erledigt, obwol ich fuͤrchte, durch dieſen meinen Bericht dem ſuͤßen Freudenkelch, den der Himmel Ihnen beſchieden, einen bittern Tropfen beigemiſcht zu ha⸗ ben. Denn wie ſollte es uns nicht ſchmerzen, wenn wir durch die Ungunſt des Schickſals und die daͤmoniſche Gewalt boͤſer Leidenſchaften einen kraͤftigen Geiſt und ein viel verſprechendes Leben jammervoll in Nacht und Dunkel zu Grunde gehen ſehen.

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