Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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Wenn ich mich unterfange, mich nach dem Wohlſein von Dero edler Gemahlin zu erkundigen, auch im Geiſt die beiden Soͤhnleins zu kuͤſſen, die Ihnen Gott geſchenkt, ſo geſchieht dieſes nur, weil meine treue Anhaͤnglichkeit an Dero ganzes Haus in mir immer ſtaͤrker wird, je län⸗ ger das hohe Gluͤck des Wiederſehens ſich hinaus ſchiebt. Auch Bollinger, der trotz ſeines Alters wol der Gluͤck⸗ lichſte und Froͤhlichſte aller Foͤrſter iſt, eben ſo Herr Binzgo, der Kaſtellan, ſehen mit unausſprechlichem Ver⸗ langen dem Augenblicke entgegen, der uns auf's Neue Hochdero begluͤckende Gegenwart ſchenken wird. Noch duͤrfte es Ihnen, hochzuverehrender Herr Graf, nicht un⸗ intereſſant ſein, zu hoͤren, daß der Baron von Moͤllnitz, unerquicklichen Angedenkens, ſich in Paſſau, allwo er in Garniſon ſteht, in den Eheſtand begeben und zwar, wie ver⸗ lautet, mit einer eben ſo haͤßlichen als boͤsgearteten Wittwe, deren Reichthuͤmer ihn verlockt und ſomit unter ein gar ſchwe⸗ res und unliebliches Joch gebracht haben. Welche Strafe ich ihm fuͤr ſeine unwuͤrdige Geſinnung von Herzen goͤnne.

Sintemal ein Weiteres nicht zu berichten, ich auch durch einen laͤngeren Brief Dero Geduld zu ermuͤden mich nicht unterfangen will, ſchließe ich, Dero fernere Befehle angelegentlichſt erwartend, und verharre in tiefſter Ehr furcht und Ergebenheit Ew. Hochgraͤflichen Gnaden

allertreueſter und gehorſamſter Diener M. Tilleſius.

Druck von Ernſt Stange in Leipzig.

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