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ſtehen, als der Gefangene ihn um einen kurzen Beſuch inſtaͤndigſt bitten ließ. Ich begleitete den Foͤrſter, und, in Dillingen angelangt, wurden wir ſogleich in die Ar⸗ menſuͤnderzelle gefuͤhrt, wo der Ungluͤckliche, von zwei Soldaten mit geladenen Gewehren bewacht, ungefeſſelt auf einem Schemmel ſaß und in die blaue Sonnenluft hinaufſtarrte. Gott im Himmel, wie hatte der Arme ſich veraͤndert! todtenbleich, abgezehrt zum Gerippe, und den ſtieren Ausdruck des Wahnſinns in den tiefliegenden, gluͤhenden Augen ſaß er da und ſtreckte uns mit einem Lacheln, welches uns ſchaudern machte, die eiskalte Hand entgegen. Er ſprach nur wenig, aber ſeine Stimme klang hohl und heiſer, wie aus einer Gruft heraus. Er gedachte Ihrer, Herr Graf und Hochdero Gemahlin, und foderte uns auf, Ihnen nach ſeinem Ende ein goldenes Kreuzlein zu uͤberſenden, welches jenem Maͤgdlein ange⸗ hoͤrt, deſſen unſchuldiges Leiden und Ende ihn zu ſo ſchrecklichen Thaten veranlaßt. Selbiges Kreuzlein, welches er ihr einſt geſchenkt, druckte er gar oft an ſeine Lippen und als er von ihr erzaͤhlte, von ihrer Schoͤnheit und Seelenreinheit, da rollten langſam ein paar heiße Thraͤ⸗ nen uͤber ſeine hohle Wange, und er preßte die Hände vor die Stirn, als wolle ihm dieſe im Uebermaße des Schmerzes zerſpringen. Obwol er ſich nicht reuig be⸗ zeigte wegen ſeiner Miſſethaten und ſogar mit wilder Geberde ausrief, ſeines Vaters und Gertruds Schatten ſeien lange noch nicht geraͤcht, ſo ſchieden wir dennoch tiefge⸗ ruͤhrt von ihm, beſonders Bollinger, der, eingedenk der Ver⸗
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