Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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Groß war die Langmuth des Himmels! aber Ma⸗ thias Kloſtermeier achtete deſſen nicht in ſeiner Verblen⸗ dung, bis endlich das Maaß ſeiner Suͤnden voll war. Da durch ſeine und der Seinen verzweifelte Tapferkeit und Schlauheit bisher alle von der Obrigkeit getroffenen Maß⸗ regeln vereitelt und ſelbſt einzelne Truppenkommando's voͤllig beſiegt und in die Flucht geſchlagen worden waren denn die Bande war bis zur Zahl von funfzig Koͤpfen angewachſen ſendete man im Januar 1771 eine kleine Armee von beinahe zweihundert Mann unter der An⸗ fuͤhrung des churbaierſchen Hauptmannes Schedel von Augsburg aus, mit dem Auftrage, den Mathias Kloſter⸗ meier um jeden Preis todt oder lebendig einzuliefern. Und ſo ward er denn in dem Dorfe Obernzell mit den Seinen uͤberfallen, im Wirthshauſe umzingelt und nach vierſtuͤndiger Gegenwehr, wobei auf beiden Seiten gegen dreißig Mann auf dem Platze blieben, uͤberwältigt und als Gefangener nach Dillingen gefuͤhrt.

Die hochnothpeinliche Unterſuchung nahm nun ihren Gang und endete, wie voraus zu ſehen war, fuͤr Ma⸗ thias mit dem Todesurtheile; dieſelbe Strafe ward dem Gärtner und einem Individuo, benamſetder ſchwarze Bock zuerkannt, welchem Letzteren es jedoch gelang, gluͤcklich aus dem Gefaͤngniſſe zu entſpringen.

Bollinger, der, ſeitdem Mathias zum Straßenraͤuber herabgeſunken war, das Angedenken deſſelben aus ſeiner

Erinnerung am Liebſten voͤllig vertilgt haͤtte und mit Ab⸗

ſcheu ſich von ihm wandte, konnte dennoch nicht wider⸗