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„Man hat ſie als Geliebte des beruͤchtigten Miſſe⸗ thaͤters, als Diebeshehlerin, Landſtreicherin und wegen hundert anderer erlogener Beſchuldigungen zum Pranger verurtheilt!“
Lydia ſtieß einen Schrei des Entſetzens aus.„Gibt es denn kein Mittel, ſie zu retten, und die Ungluckliche der Schmach zu entziehen, die ſie bedroht?“ fragte ſie mit bebenden Lippen.
„Es gibt keines— und ſie bedarf des Schutzes nicht mehr!“ ſagte Andreas duͤſter.„Vielleicht iſt ſie in dieſem Augenblicke ein Engel und ſteht im Lichtkleide vor dem Throne Gottes.“
„Und wo iſt Mathias?“ fragte Lydia weiter.
„Durfte, konnte er ſie in der Noth verlaſſen?“
„Man hat Nichts von ihm vernommen. Jeden⸗ falls ahnt er Gertruds Schickſal nicht, denn ich kenne ihn zu genau, als daß ich ihn im Verdachte der Feig⸗ heit und eines ſo ſchmachvollen Egoismus halten duͤrfte. Wahrſcheinlich duchwandert er jetzt das Land, die Bruſt von Hoffnungen geſchwellt, und all ſeine Gedanken weilen bei ihr, die um ſeinetwillen ſtirbt. Ich fuͤrchte, wenn er einſt wiederkehrt und man uberbringt ihm die trau⸗ rige Kunde, wird ſein guter Engel auf immer von ihm weichen.“
Die beiden Liebenden verſanken in ein tiefes trau⸗ riges Nachſinnen, aus welchem ſie erſt allmaͤlig wieder zu der urſpruͤnglich heitern Stimmung, die den gluͤckli⸗ chen Brautſtand wie Sonnenſchein zu verklaͤren pflegt,


