Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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ſie gewarnt hatte, die Verhoͤre. Die Aufſchluͤſſe, welche Gertrud mit kindlicher Unbefangenheit und im Bewußt⸗ ſein der Unſchuld von ihrem Verhaͤltniß zu Matthias, dann aber von ihrer Geburt gab, waren nicht geeignet, ihr eine mildere Behandlung zu erwirken. Im Februar ſchleppte man die ſchon Kraͤnkelnde und Entkraftete durch eiſigen Sturm und Schneegeſtoͤber nach Muͤnchen; dort wies man ihr eine hohe, aber enge und ſchmale Zelle an, auf deren mit Beckſteinen gepflaſterten Boden man aus einigen Buͤndeln Stroh und einer duͤnnen Wolldecke ihr Krankenlager bereitete. Hier, zwiſchen den oͤden Mau⸗ ern mußte die holde Blume verwelken, die ſo herrlich und prangend im kuͤhlen Wald entſproßen war. Von Eiſeskalte durchſchauert, allein, Tag und Nacht allein mit ihrem Harme und ihren Thraͤnen, ſiechte ſie raſch dahin, und als es mir nach langen Bitten und endloſen Vorſtellungen erlaubt ward, ſie zu beſuchen, neigte der Todesengel ſchon ſich uͤber das Lager der armen Dul⸗ derin und nur matt noch glimmte ſeine umgekehrte Fa⸗ ckel. Ich weiß nicht, ob mein energiſcher, voll gluͤhender Entruͤſtung diktirter Bericht an das Juſtizpraͤſidium eine Milderung der Gefangenſchaft des ungluͤcklichen Maͤd⸗ chens herbeifuͤhren wird; jedenfalls iſt das Maaß der Leiden voll und ſie wird ſterben, das Opfer treuer, hei⸗ ßer Liebe, ehe man Zeit hat, ihr das Urtheil zu verkuͤn⸗ den, welches, vor wenig Tagen gefaͤllt, ganz unſer fin⸗ ſteres, barbariſches Zeitalter charakteriſirt.

Und welches iſt dies? fragte Lydia, tief erſchuͤttert.