Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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und paſſend gelegener Laͤndereien nach allen Richtungen hin bedeutend zu erweitern, und ſo war denn Lydia, de⸗ ren reines, ungetruͤbtes Gemuͤth aus der Natur ſtets die ſchoͤnſten und dauerndſten Eindruͤcke und Genuͤſſe zu gewinnen wußte, genoͤthigt, allein hinaufzuſteigen, wenn der Vater unten mit duͤſtern Blicken und gramumfurch⸗ ter Stirn in dem Bibliothekzimmer ſtundenlang auf und abſchritt.

Auch heute hatte Lydia ihre Tapiſſeriearbrit zeitig bei Seite gelegt, ſich wegen des Zugwinds in einen leichten Mantel gehuͤllt und war in den Thurm hinauf⸗ geſtiegen. Auf die Bruͤſtung des Gelaͤnders gelehnt ſchaute ſie hinab, aber nicht wie ſonſt, ihre Stellung wechſelnd und bald nach dieſer, bald nach der entgegengeſetzten Richtung ihre Blicke wendend; vielmehr hafteten dieſe unverwandt und mit großer Aufmerkſamkeit auf der Straße, welche jenſeit des Dorfes Meitingen uͤber den Bach her⸗ uͤber nach dem Schloſſe zu fuͤhrte. Auch ſchien es ihr heut' nicht beſonders um die Bewunderung des milden Abends und der Gegend umher zu thun zu ſein, und wenn der freundliche Leſer die zarte, ſchlanke Geſtalt ge⸗ ſehen haͤtte, wie ſie, anmuthig vorgebaͤugt, eine leichte Roͤthe und das Laͤcheln freudiger Erwartung in dem ſchoͤnen Antlitz, die Schlangenkruͤmmungen der Straße verfolgte, wuͤrde er ohne Zweifel ſogleich entdeckt haben, was wir ihm jetzt als ein Geheimniß von großer Wich⸗ tigkeit verrathen wollen.

Seit jener Nacht, welche den Grafen von Waldſees 16*