Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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wie er nur Jemand gehaßt haben wuͤrde, der ſeinem Vater wehe gethan. Schaam, Schmerz, bittere Selbſt⸗ verachtung und die demuͤthigſte Reue durchſtroͤmten in mannichfacher Wechſelwirkung ſein Gemuͤth, als er, an Jakobs Seite, deſſen duͤnne Silberhaare ſein mildes, jetzt von heiliger Andacht verklaͤrtes Antlitz umflatterten, die Haͤnde zum Gebet erhob und aus tiefſter Seele zu dem Allmächtigen flehte um Gnade und Erleuchtung.

Seltener Anblick! Unter dem gruͤnen, fluſternden Laubdache der Linde knieet betend der kraftige Mann neben dem ehrwuͤrdigen, lebensmuͤden Greiſe! Ihre Lippen bewegen ſich und leiſe, leiſe ſteigt ihr Flehen empor zu dem blauen Himmelsdome, uͤber den die unter gehende Sonne goldene und purpurne Furchen zieht. Druͤben auf dem Gottesacker, den nur ein kleiner Plan und eine zerbroͤckelte Mauer von den Betenden trennt, ſchwirren Kaͤfer und bunte Phalaͤnen um die niedern Grabhuͤgel, aus deren duftendem Blumenſchmuck hier und da ein einfaches, ſchwarzes Kreuz oder eine morſche Gedenktafel hervorragt. Der Sakriſtan ſchreitet den mit weißen Sand beſtreuten Gang zwiſchen den Graäbern entlang nach dem Thurme des Kirchleins. Er offnet die Thuͤre und ſteigt langſam und mit ſchleppenden Schritten hinan. Und ſiehe, hell und lieblich erklingt jetzt die Abendglocke; der ernſte, fromme Schall zittert durch die ſtille, wuͤrzige Sommerluft uͤber Wieſen und Feld und wer ihn vernimmt, der macht der Arbeit des Tages froh ein Ende, entbloͤßt das Haupt und betet andächtig ſein Ave.