28
mit einem Schleier und Troſt und Heilung liegt in dem Gedanken, daß die Zukunft gewiß die gerechten Anſpruͤche eines liebenden Vaterherzens und die bisher ſchmachvoll betrogenen Erwartungen und Wuͤnſche nur um ſo herr⸗ licher realiſiren werde. Blitzſchnell und wie ein neube⸗ lebender Sonnenſtrahl durchzuckte dieſe Vorſtellung Ja⸗ kobs Gemuͤth und laut weinend, aber mit dem Aus⸗ drucke der Verzeihung, der unendlichſten Liebe ſank er Mathias an die Bruſt.
„Mein Sohn! mein Sohn!“ ſchluchzte er und ſtreichelte mit ſeinen zitternden Haͤnden des Wildſchuͤtzen gebraͤunte Wangen—„Du kannſt noch umkehren auf dem boͤſen Wege, den Du gewandelt. Sieh meine wei⸗ ßen Haare an und bedenke, daß ich vielleicht heute das Licht der Sonne zum letztenmale erblicke; willſt Du, daß ich mit gebrochenem Herzen mich in die Grube lege? Laß uns Beide knieen und zum lieben Gott flehen, daß er Dir vergebe, und dann flieh, flieh weit hinweg und werde ein guter Menſch.“
Thraͤnen erſtickten des Greiſes Stimme, der mit gefalteten Haͤnden neben ſeinen Sohn auf die Kniee ſank und fromm und mit glaͤubiger Inbrunſt zum klaren Himmelsgewoͤlbe aufſchaute. Mathias fuhlte ſich durch den Schmerz des Vaters, des einzigen Weſens, dem er von Kindheit an all ſeine heiße Liebe geweiht, daß er nie, um alle Schaͤtze der Erde nicht, auch nur mit einem Worte hatte kraͤnken moͤgen, tief erſchuͤttert. In dieſem Au⸗ genblicke haßte er ſich ſelbſt wie ſeinen bitterſten Feind,


