Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

einer gewiſſen natuͤrlichen Wuͤrdemeint Ihr, daß der Gott, der die Lilien auf dem Felde kleidet, Eure Gertrud verlaſſen werde? Und wenn es Euch beruhigen mag, daß Jemand fuͤr ſie ſorgen und nach Kräften ih⸗ ren Pfad durch's Leben bahnen und ſchuͤtzen werde, ſo nehmt mein Wort, daß ich mich ihrem Dienſte weihen will mit Leib und Seele und nicht raſten werde, bis ſie auf irgend eine Weiſe den Pfad zum Gluͤcke gefunden hat vorausgeſetzt, daß Ihr und Gertrud mir vertraut.

Die letzten Worte wurden leiſe und ſchuͤchtern ge ſprochen, aber ſowol der Kranke als das Maädchen hat⸗ ten ſie vernommen, und während der Erſtere die Haͤnde des Jaͤgers faßte und mit der letzten Kraft innig druͤckte, befreite ein ſeelenvoller Blick aus Gertruds dunklen Au⸗ gen Mathias von jedem Zweifel uͤber die Aufnahme ſei nes Erbietens.

O, ich wußte es, daß Ihr ſie nicht verlaſſen wuͤr⸗ det, ſagte der Greis mit tiefer Ruͤhrung.So gebe ich ſie denn in Eure Obhut und ich fuͤhl's, mein Geiſt wird Euch umſchweben. Gertrud, wendete er ſich an ſeine Tochterlaß mich noch einmal Dein liebes Antlitz ſehen!

Das Maͤdchen beugte ſich uͤber ihn hin und ihre Thränen benetzten die mehr und mehr erbleichenden Wangen des Sterbenden. Tiefes, heiliges Schweigen! In dem Strauchwerke, welches die ſchmale Fenſteroͤff⸗ nung umſaͤumte, ertoͤnte das ſchmetternde Scheidelied

*