Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

Ein lauter Wehruf des Maͤdchens riß Mathias aus ſeinem traͤumeriſchen Sinnen. Er trat wieder an das Bett des Kranken, deſſen Augen weit geoͤffnet in jener Agonie in's Leere ſtarrten, welche dem Ende des ſchweren, entſcheidenden Kampfes nahe vorangeht. Seine gefalteten Haͤnde, deren Finger ſich raſch und krampfhaft bewegten, ruhten auf der Lagerdecke, welche Gertrud mit ihren Thraͤnen feuchtete. Mathias fuͤhlte leiſe an den Puls des Verſcheidenden; er ſchlug matt in langen, ſchweren Pauſen und ſchien jeden Augenblick ganz ſtill ſtehen zu wollen. Gertrud richtete ihr thraͤnenuͤberſtroͤmtes Antlitz empor und ihr fragender Blick ſuchte vergebens aus Mathias ſchmerzerfuͤllten Mienen auch nur den kleinſten Troſt, die leiſeſte Hoffnung zu ſchoͤpfen. Da ſchien der ſchon halb entfeſſelte Geiſt des Sterbenden noch einmal die morſche Koͤrperhuͤlle zu beleben und muͤhſam auf⸗ flackern zu wollen. Seine Geſichtszuͤge verloren allmaͤlig jene erſchreckende Starrheit und Bewegungsloſigkeit und belebten ſich mehr und mehr, bis ein ſanftes Laͤcheln, ein Ausdruck milder, gottergebener Reſignation ſich freundlich, in ihnen auspraͤgte. Mit Mathias Huͤlfe richtete der Greis ſich noch einmal empor und legte ſeine zitternde Hand auf das Haupt des vor ihm knieenden Maͤdchens!

Gott ſegne Dich, mein theures, theures Kind! ſagte er mit erloͤſchender Stimme, aus welcher jedoch die zaͤrtlichſte, heiligſte Liebe vernehmlich ſprachGott ſegne Dich und nehme Dich in ſeine ſchuͤtzende Obhur, da er mich abruft! Ich ſcheide mit der Hoffnung, daß

*