Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

ernſt und lauſchend zuruͤck in eine weite, weite Ferne, die, von dämmernden Nebelſchleiern eingehuͤllt, vor ſei⸗ nem geiſtigen Auge ſich ausdehnte. Endlich holte er tief und ſchwer Athem und fuhr mit der duͤrren Hand langſam uͤber ſeine Stirn.

An jenem Abende, als ein Nachbar in meine Werkſtatt trat, ſagte er mit dumpfem, aber ruhigem Toneund mir die hoͤlliſche Maͤhr' in's Ohr fluͤſterte: Waͤhrend Ihr hier ſitzt und Gold und Silber und präch⸗ tige Edelſteine kunſtvoll fuͤgt, wird daheim Euer beſtes Kleinod geſtohlen, das ihr nicht ſorgſam bewachen mö⸗ get; der junge Fuͤrſt von Burgau iſt eben in das Klo⸗ ſet Eures Weibes geſchluͤpft! Als ich jene Worte ver⸗ nahm, waren anfangs meine Auge geblendet und meine Glieder gelaͤhmt, als habe ein Blitzſtrahl mich nieder⸗ geſchmettert. Dann aber wurde es ploͤtzlich kalt, eiskalt in meinem Herzen und es war, als ſinke dieſes tief, tief hinab in ein finſteres Grab mit ſeinem Gluͤcke, all' ſeinem Glucke, all' ſeinem Reichthum an Tugend, Liebe und Lebensluſt. Gertrud, damals hatte mich Gott ver⸗ laſſen!

Das Maädchen ſchluchzte leiſe und der Kranke fuhr fort:

Ich holte einen Degen aus einer Ecke, wo er Jahre hindurch unbeachtet und beſtaubt gelegen hatte, nahm ihn unter den Arm und ſchloß bedachtig die Werk⸗ ſtatt. Langſam ging ich meinem Hauſe zu; es war ſchon finſter und in ihrem Gemache brannte ein mattes

*