Teil eines Werkes 
2. Theil (1848)
Entstehung
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anderes Kind ſeinen Erzeuger je geliebt hat fuhr er leiſe fortDu haſt das Elend in ſeiner ſchreck⸗ lichſten Geſtalt mit mir getheilt, und ohne Dich wäre ich jetzt entweder verhungert oder meine Gebeine bleichten auf dem Hochgerichte.

Gertrud ſtieß einen leiſen Schrei aus und verbarg ihr erblaſſendes Geſicht in die Decken des Lagers. Der alte Mann aber ſtierte eine Weile mit unheimlichem Ausdrucke vor ſich hin und es ſchienen dunkle, längſt erloſchene Bilder in ſeiner Erinnerung emporzuſteigen und, Geſpenſtern gleich, das tiefe Dunkel der Vergan⸗ genheit zu durchbrechen. Dicke Schweißtropfen perlten auf ſeiner hohen, kahlen Stirn und ſeine Haͤnde ſtreck⸗ ten ſich zitternd vorwaͤrts, als wollten ſie ein grauen⸗ haftes Phantom aus ſeiner Naͤhe verſcheuchen.

Mein Kind! Gertrud jage den Schatten weg! ſtoͤhnte er ploͤtzlich und ſeine tiefeingeſunkenen Augen brannten noch einmal in dunkler Glut, das letzte Auf⸗ flackern einer balderloͤſchenden Flamme,ſiehſt Du ihn nicht, den ſchlanken, ſchoͤnen Mann in den präch⸗ tigen Kleidern? Ha, das Gold, die Edelſteine, wie ſie blitzen und flimmern, und Deine Mutter, Gertrud, Deine Mutter liegt in ſeinen Armen. Fluch! Fluch! reiße ſie fort, Gertrud, die Ungetreue ich vergehe vor Qual, vor entſetzlicher Seelenpein!

Ein dumpfes Roͤcheln hemmte die wilden Phan⸗ taſien des Kranken. Laut aufſchreiend fuhr Gertrud empor, denn ſie glaubte, der gefuͤrchtete Augenblick