4
Menſchenlebens voll Noth und Elend, Gram und Suͤnde! — Auf einer einfachen Lagerſtatt hingeſtreckt lag ein Greis, deſſen eingefallenes, von eisgrauen Locken ſpär⸗ lich umwalltes Geſicht ſchon von dem ſchweigenden Ge⸗ nius des Todes uͤberſchattet war. Seine magern, zu⸗ ſammengefalteten Haͤnde ruhten in denen eines wunder⸗ lichen Madchens, welches, dem Sterbenden zur Seite enieend, heiße Thraͤnen vergoß und mit unendlichem Schmerze von den finſtern Boten des Jenſeits ſich den Einzigen entreißen ſah, den ſie unausſprechlich geliebt hatte,— den Vater. Ihre umdunkelten Blicke hingen mit unausſprechlicher Angſt an den bleichen, zuckenden Lippen des verſcheidenden, welche gleichwol ein mildes, friedliches Laͤcheln umſpielte, waͤhrend ſeine Bruſt ſich keuchend hob und ſenkte, gleich als wolle ſie nur noch wenige Augenblicke dem erloͤſchenden Leben abrin⸗ gen. Am Fußende des Bettes ſtand Mathias, in ſchmerz⸗ liches Sinnen verloren auf die traurige Gruppe ſchauend, während Bollinger, auf einem niedrigen Schemel ſitzend, aus einer Medicinflaſche langſam und bedaͤchtig Tropfen fuͤr Tropfen in einen Loͤffel fallen ließ und ſich anſchickte, dem Kranken das, allem Anſchein nach nunmehr un⸗ wirkſame Elixir einzufloͤßen.
Auch hier herrſchte tiefe Stille, nur unterbrochen durch das Schluchzen des weinenden Maͤdchens— aber es war ein anderes Schweigen, als welches droben in der ſreien, herrlichen Natur herſchte, wo der Abendwind wie der zaͤrtliche Kuß eines Engels uͤber die braͤutlich


