Teil eines Werkes 
1. Theil (1848)
Entstehung
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Andreas ſah ſich nun abgeſchnitten; aber nur einen Augenblick zauderte er, dann beſchloß er durch einen kuͤhnen Sprung ſich den Haͤnden der Nachfolger zu ent⸗ reißen. Feſt ſchlang er den Arm um das ſteinerne Fen⸗ ſterkreuz und maß mit pruͤfenden aber furchtloſen Bli⸗ cken die Hoͤhe; jetzt, wo er im Begriff war, ſich hinaus⸗ zuſchwingen zu ſpät, eine kraͤftige Fauſt riß ihn zuruͤck und im nächſten Moment ſtreckte ein heftiger Schlag ihn zu Boden. Als er wild umherblickte, ſah er ſich umringt von einem ſchreienden, triumphirenden Dienerhaufen und auf der Stiege, welche nach dem Thurm fuͤhrte, erſchien der Graf, bleich wie ein Ge⸗ ſpenſt und mit wuthſpruͤhenden Blicken.

Haltet ihn feſt! durchſucht ihn! er hat mir ein Dokument geſtohlen! rief dieſer, haſtig herbeieilend, und ſuchend fuhren zwanzig Haͤnde nach der Taſche des am Boden Liegenden. Mit einer maͤchtigen Kraftan⸗ ſtrengung, die Niemand an dem ſchmaͤchtig, faſt ſchwach⸗ lichen Juͤnglinge vermuthet haͤtte, riß Andreas ſich ploͤtzlich los, ſprang empor und ſchlug den Lieutnant von Moͤllnitz, der ſich forſchend uͤber ihn gebeugt hatte, mit der Fauſt zu Boden.Ha, bei Gott, mein Ne⸗ benbuhler! aͤchzte dieſer zuſammenſinkendlaßt ihn nicht entfliehen!

Aber ſeine Auffoderung kam zu ſpät, denn And⸗

reas hatte geſchickt die augenblickliche Verwirrung benutzt und ſich durch das Fenſter hinabgeſtuͤrzt!