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Noch einmal flog ſeine Hand zitternd uͤber die in⸗ nere Flaͤche der Thuͤr—— da ſprang ſie raſſelnd auf und mit einem lauten Jubelrufe ſtuͤrzten die Gefange⸗ nen hinaus auf den dunkeln Koridor. Nur wenige Schritte noch hatten ſie bis zu dem geoͤffneten Fenſter zuruͤckzulegen, an welchem ihnen die erſten Sproſſen der rettungverheißenden Leiter, deren ſie ſich beim Eindrin⸗ gen in das Schloß bedient hatten, entgegenwinkte. Aber im ſelben Momente polterten haſtige Schritte die große Treppe hinauf, der grelle Schein von Fackeln, Lichtern, und Laternen erhellte den Korridor und mit verworre⸗ nem Geſchrei ſtuͤrzte eine Schaar Diener, von dem Lieutnant Moͤllnitz angefuͤhrt, den Fluͤchtlingen entgegen.
„Hilf Gott! hier gilt kein Zoͤgern!“ fluͤſterte Ma⸗ thias, ſich zu dem Fenſter hinausſchwingend—„folge mir auf dem Fuße nach, ſonſt—“
Da ſchwankte ploͤtzlich die Leiter. Mathias ſtieß einen Schrei des Entſetzens aus; als er den Fuß auf die erſte Sproſfe ſetzte, entdeckte er unten den Foͤrſter Florian, der mit gellendem Hohnlachen an dem zerbrech⸗ lichen Rettungswerkzeuge ruttelte, und alle Kraͤfte an⸗ wendete, daſſelbe umzuwerfen.„Verflucht! auch ders“ knirſchte der Jaͤger und ſuchte vergebens, ſich feſt zu halten—— einen Moment lang ſchwebte die Leiter mit Mathias frei in der Luft, dann ſtuͤrzte ſie krachend nieder— ein Schuß fiel, dem ein dumfer Schmerzensſchrei folgte, dann war es draußen ſtill— ſtill wie im Grabe!


